Wiesenweihe
Wiesenweihe – Mauser
Wiesenweihe – Auswertung Brutverbreitung
Doris Glimm, Manfred Hölker und Werner Prünte
Die Wiesenweihe Circus pygargus in Westfalen: Historische Brutverbreitung seit 1850 und Bestandsentwicklung 1966-1999*
Historische Verbreitung seit 1850/Besiedlung von Feldlandschaften-Heiden-Mooren/Intensivierung der Landwirtschaft: Zerstörung von Heiden und Mooren – Gefährdung der Bruten in Getreidefeldern/Bestandsentwicklung 1966-1999/Schutz von Getreidebruten/Bedeutung der Hellwegbörde
Die Wiesenweihe ist die kleinste unter den mitteleuropäischen Weihenarten. Als karnivorer Spitzenprädator (vielleicht: Prädator am Ende der Nahrungskette/an der Spitze der Nahrungspyramide?) besetzt sie eine zentrale ökologische Position. Ihre Lebensweise als Bodenbrüter ist für europäische Greifvögel eher ungewöhnlich und ihr zeitlich enger Jahreszyklus als Langstreckenzieher erfordert eine enorme Flexibilität bei der Einpassung in ihre Umwelt (ist die Art so flexibel?? Sind Langstreckenzieher in ihrem Jahreszyklus nicht eher sehr festgelegt? Vielleicht: erfordert eine genaue Einpassung von Brut, Mauser und Zug in die zur Verfügung stehenden Zeitnischen). Für den Naturschutz besitzt sie daher eine herausragende Bedeutung (vielleicht: als Indikator/Zeigerart ihres Lebensraumes/der Agrarlandschaften / oder: für das Monitoring der Feldlandschaften). In Westfalen besiedelt die Wiesenweihe vorzugsweise großräumige, intensiv ackerbaulich genutzte Feldlandschaften – alte Kulturlandschaften – die zu den ältesten Siedlungsgebieten des Menschen in Mitteleuropa zählen. (Sollte der Satz mit der Bedeutung der Weihe dann u.U. besser hier am Schluß stehen?)
* Die Arbeit widmen wir Charlotte Glimm =, Otto Raap = und Theodor Trendelkamp =.
1. Einleitung
Die Wiesenweihe hat wegen ihrer Seltenheit, Schönheit und besonderen Lebenweise schon früh die Aufmerksamkeit westfälischer Ornithologen geweckt. So liegen viele Ansätze zur Darstellung der historischen Verbreitung der Wiesenweihe in Westfalen vor (z.B. PEITZMEIER 1969a). Untersuchungen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, wurden aber bisher weder aus Westfalen noch aus dem weiteren Bundesgebiet veröffentlicht. Gerade längerfristige Arbeiten ermöglichen jedoch tiefere Einblicke in die populationsdynamischen und -regulatorischen Prozesse einer Art und können grundlegende Erkenntnisse zur Entwicklung von Naturschutzkonzepten geben.
In dieser Arbeit soll (daher) unter Verwendung (vielleicht:) zahlreicher (regionaler/lokaler?) (die Quellen sind ja nicht „unbekannt“, sonst könnten sie ja nicht zitiert werden) Quellen eine Gesamtanalyse für die Wiesenweihe in den letzten 150 Jahren in Westfalen erfolgen. Nach 34 Jahren erscheint es zudem geboten, die von 1966 bis 1999 erhobenen Daten zur Bestandsentwicklung und zur Verbreitung der Wiesenweihe in Westfalen darzustellen und zu diskutieren.
2. GEBIET
(Sollte –statt ein Teilergebnis der Arbeit vorweg zu nehmen (die Verbreitung der Wiesenweihe in Heiden, Mooren, Feuchtwiesengebieten und später nur noch in den Börden) – an dieser Stelle nicht kurz die Lage und naturräumliche Ausstattung Westfalens im Schweinsgalopp nach dem Motto: Mitteleuropa, Klima, Lage der Börden erfolgen??? Das heißt das unterstrichene sollte vielleicht hieraus verbannt werden?)
Die Wiesenweihe konnte in Westfalen in der Vergangenheit als regelmäßiger aber seltener Brutvogel sowohl in den Heiden, Mooren und Feuchtwiesengebieten des Tieflandes als auch in den Getreideanbaugebieten der Börden festgestellt werden (PEITZMEIER 1969a).
Spätestens seit den 1950er Jahren beschränken sich die Brutvorkommen der Wiesenweihe auf vorwiegend ackerbaulich genutzte Feldlandschaften mit überwiegendem Getreideanbau (PEITZMEIER 1969a, HÖLKER 1997).
Westfalen zählt in Europa zur atlantischen Biogeographischen Region.
Das westfälische Klima besitzt einen subatlantisch-maritimen Charakter mit westlichen Winden, gemäßigten Temperaturen und reichlich Niederschlägen: die Sommer sind feucht-kühl. Die (relativ?) kräftigen Winde führen ganzjährig zu enormen Windchill-Temperatur Effekten.
Westfalen und seine drei/vier Teillandschaften in einem Satz (Gegenstand dieser Untersuchung sind insbesondere die verhältnismäßig offenen, weiträumigen Teillandschaften in Westfalen, die Westfälische Bucht mit … und das Westfälische Tiefland da und da… Die Mittelgebirgslandschaften des Sauerlandes und des Bergischen Landes sowie … sind im Zusammenhang mit der Fragestellung dieser Arbeit von untergeordnetem Interesse.)
Näher zu beschreiben sind die (?) Bördegebiete[1] mit den fruchtbaren Lößböden (Hellwegbörde, Warburger Börde, Steinheimer Börde) sowie die Agrarlandschaften der Paderborner Hochfläche und des nördlichen Münsterlandes. Sie zeichnen sich durch große Ackerflächen aus, die weite zusammenhängende Flächen einnehmen und das waldarme Landschaftbild prägen. Die klimatisch begünstigten Börden (Warum??) bieten mit ihren fruchtbaren Lößlehmböden und einem vorteilhaften (ausgeglichenen??) Wasserhaushalt gute Anbaubedingungen für Weizen, Wintergerste, Zuckerrüben, Kartoffeln, Gemüse und Mais bei sehr guten Erträgen. Gemeinsam sind allen Feldlandschaften die großen Ackerflächen. Die Börden weisen aufgrund der noch relativ geschlossenen Siedlungsstruktur der Ortslagen einen für Westfalen bemerkenswert geringen Zersiedlungsgrad auf. Die Feldfluren durchzieht ein dichtes Netz aus asphaltierten Wegen mit schmalen Randstreifen. Trotz dieses dichten Wegenetzes sind die großräumigen Feldfluren verhältnismäßig störungsarm.
Die mittelwestfälische Hellwegbörde (60-390 m ü. NN; Kreise Soest, Paderborn, Unna) stellt eine aus Kalkstein aufgebaute, von Süden nach Norden sanft geneigte, nahezu waldfreie Ebene dar. Sie ist von Norden nach Süden in drei Gebiete untergliedert. Die Unterbörde ist eine klimatisch begünstigte Ebene, mit fruchtbaren, kalkhaltigen Lößlehmböden (Bodenpunkte 60-85) und einem günstigen Wasserhaushalt, auf denen Weizen, Wintergerste, Zuckerrüben, Kartoffeln, Gemüse und Mais sehr gute Erträge bringen. Die Oberbörde ist eine nahezu waldfreie, vorwiegend ackerbaulich genutzte Feldlandschaft. Die hier weit verbreiteten trocken-warmen Rendzinaböden (Bodenpunkte 25-40) wurden seit Ende der 1980er Jahre bevorzugt als selbstbegrünte Flächen zur Durchführung der EU-Agrarstilllegungen genutzt. Bei größerer Lößmächtigkeit wird in dem wasserarmen Gebiet Wintergerste und Weizen angebaut. Der Haarstrang, ein langgestreckter und vorwiegend waldfreier Höhenrücken wird infolge seiner fruchtbaren Lößböden ackerbaulich intensiv genutzt (Wintergerste, Weizen, Raps), besitzt aber wegen des ungünstigeren Klimas keinen echten Bördecharakter.
Die ostwestfälische Warburger Börde (140-340 m ü. NN; Kreis Höxter) ist eine im wesentlichen aus Kalkmergel aufgebaute, nahezu wald- und gehölzfreie Ebene mit fruchtbaren, teils schwarzerdeartigen Lößböden (Bodenpunkte 60-90: Weizen, Wintergerste, Zuckerrüben, Mais). In Mulden haben sich durch Tonabdichtungen Niedermoore gebildet (z.B. Körbecker Bruch).
Die Steinheimer Börde in Ostwestfalen (130-200 m ü. NN; Kreise Höxter, Lippe) ist ein nahezu wald- und gehölzfreies, flach eingesenktes Becken mit einer santfhügeligen Geländestruktur sowie mit fruchtbaren Lößböden (Bodenpunkte 60-90, Weizen, Wintergerste, Zuckerrüben). Durchzogen wird das Gebiet von flachen Tälchen, in denen die Grünlandnutzung dominiert.
Die Paderborner Hochfläche (150-440 m ü. NN; Kreis Paderborn) unterscheidet sich von den Börden durch die Höhenlage, das kühlere Klima und die flachgründigen lehmig-steinigen Kalkböden mit einem geringen Lößanteil. Die schwach gegen Nordwesten geneigte und flachwellige Hochfläche wird von tiefen Tälern durchzogen in denen sich die Ortslagen befinden. Neben einigen ausgedehnten Waldgebieten nehmen die ackerbaulich genutzten Feldfluren (Wintergerste, Roggen, Hafer, Raps) auf der Hochfläche großen Raum ein.
Das Nördliche Münsterland (30-60 m ü. NN, Kreis Steinfurt) an der Landesgrenze zu Niedersachsen zählt zum Westfälischen Tiefland. Die ebene Landschaft wird durch den permanenten Wechsel seiner sandigen und moorigen Böden geprägt. Die einstigen großflächigen Hochmoore sowie die mittelalterlichen Zwergstrauch- und Sandheiden wurden für landwirtschaftliche Zwecke zu Dauergrünland und Äckern (Roggen, Wintergerste, Mais) umgewandelt.
3. Material und Methoden
Um die Verbreitungsgeschichte der Wiesenweihe in Westfalen dokumentieren zu können, wurden die historischen Quellen durchgesehen. (??vielleicht: Zur Rekonstruktion der Wiesenweihen-Verbreitungsgeschichte war ein umfassendes/umfangreiches Studium historischer Quellen notwendig) Insbesondere eröffneten sich aus der regionalen Heimatliteratur zahlreiche Hinweise auf historische Vorkommen der Art. Sehr fruchtbar waren auch Gespräche mit älteren Landwirten, die in ihrer Jugend – Anfang des 20. Jh. – selber Wiesenweihen beobachten konnten. Die (historische?) Brutverbreitung wurde anhand all dieser Angaben rekonstruiert.
Waren bis Mitte der 1960er Jahre hinein die Kenntnisse über das Vorkommen der Wiesenweihe mehr zufällig gesammelt worden, so begann der Studienrat THEODOR TRENDELKAMP mit Helfern ab 1966 mit einer zunächst stichprobenartigen Bestandserfassung in der Soester Börde, also auf Teilflächen der Hellwegbörde. Als häufiger durch Erntemaschinen bedingte Brutverluste festgestellt wurden, setzte eine intensivere Schutzarbeit in der Hellwegbörde ein. Ab 1974 beteiligten sich CHARLOTTE und DORIS GLIMM sowie OTTO RAAP bei der Suche und den Schutzmaßnahmen. Die ansteigende Zahl registrierter Paare veranlasste die Vogelkundler zur Vergrößerung des Untersuchungsgebietes und zur Intensivierung der Schutzbemühungen. Seit WERNER PRÜNTE sich ab 1980 an der Suche beteiligte, erfolgte eine planmäßige Bestandserfassung in der Hellwegbörde. 1993 wurde bei der Biologischen Station Soest eine Stelle für den Weihenschutz in Mittelwestfalen geschaffen. In der Warburger Börde, Steinheimer Börde und auf der Paderborner Hochfläche wurde seit Anfang der 1980er Jahre sporadisch nach Wiesenweihen gesucht. In der Warburger Börde erfolgt seit 1987 eine intensive Suche durch FRANZ-JOSEF LAUDAGE und HERBERT SCHRÖDER. Im nördlichen Münsterland (Kreis Steinfurt) und im Kernmünsterland (Kreis Warendorf) erfolgt seit den 1990er Jahren eine Erfassung der Weihen durch die ARBEITSGRUPPE FEUCHTWIESEN und den NABU WARENDORF. Damit werden die potentiell besiedelbaren Areale der Wiesenweihe in Westfalen weitgehend abgedeckt.
Erfolgte die Suche nach den Wiesenweihen in den 1960 und 70er Jahren noch vorwiegend mit dem Fahrrad (,?) so wurde nachfolgend das Auto eingesetzt. Die jagenden Männchen werden dabei verfolgt, um den Beutetransport zum Nest, die Beuteübergabe an das Weibchen oder das Fliegen zum Neststandort beobachten zu können. In bekannten Brutgebieten wird auch von Aussichtspunkten aus nach Wiesenweihen Ausschau gehalten. Mit der Suche nach den Wiesenweihen wurde alljährlich unverzüglich nach deren Ankunft Ende April begonnen um frühe Brutverluste Mitte Mai im Feldgras vermeiden zu können. Als nützlich haben sich die Versuche (zur individuellen Ansprache von Einzelvögeln z. B. über kennzeichnende Färbungsmuster oder Großgefiederlücken) erwiesen, die beobachteten Vögel individuell ansprechen zu können (Färbung, Großgefiederlücken). Dies ermöglichte nicht nur die rasche Unterscheidung der vorhandenen Paare, sondern erleichterte auch das Auffinden von Nestern bei kolonieartigen Ansiedlungen.
Zur Bestimmung des Brutstatus wurden folgende Nachweiskriterien verwendet:
Sicherer Brutnachweis: Beobachtung brütender oder Futter zum Nest tragender Altvögel; Funde frischer Schalen; Nestfunde mit Eiern oder Jungen.
Brutverdacht: Balz eines Paares; Beobachtung beutetragender Männchen; Beuteübergabe; Beobachtung von Altvögeln beim An- und Abflug vom wahrscheinlichen Nest; Nestbau.
Die angewandten Methoden und Erfahrungen bei der Bestandserfassung und die Durchführung der Schutzmaßnahmen wurden von GLIMM & PRÜNTE (1984) und HÖLKER (1997) beschrieben.
4. Ergebnisse
4.1. Historische Verbreitung
4.1.1. 19. Jahrhundert
Die Wiesenweihe spielte schon in den ersten qualitativen Beschreibung des Arteninventars der westfälischen Avifauna um 1850 als Brutvogel eine wichtige Rolle. Einzelnachweise aus verschiedenen Jahren lassen den Schluss zu, dass die Art in den folgenden Jahrzehnten wohl durchgehend zu den westfälischen Brutvögeln zählte. Den ersten Hinweis auf das Vorkommen der Wiesenweihe verdanken wir BOLSMANN & ALTUM (1852), die die Art fast jährlich nistend in der Coer- oder Gelmer Heide bei Münster (heutige „Rieselfelder Münster“) antrafen, „von anwohnenden Landleuten wohl einmal mit einem Tellereisen auf dem Neste gefangen“. Im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands ist dies ein früher Beleg: (Erste Beschreibungen der Art findet man in…) Niedersachsen nach 1850 HECKENROTH & HEINS (1989), Schleswig-Holstein seit 1870 LOOFT & BUSCHE (1981), Bayern 1895 WÜST (1979). Für England – dem Mutterland der Ornithologie – liegen erste sichere Nachweise für den Anfang des 18. Jhr. vor (CLARKE 1996).
KOCH (1878/79) zählt die Wiesenweihe für die 1870er Jahre in seinem Verzeichnis der Brutvögel des Münsterlandes als Sommervogel auf, der „alljährlich bei Emsdetten und Wettringen im hohen Grase, Binsen und dergleichen sein Nest anlegt“. Aus dem Jahresbericht der zoologischen Sektion des Westfälischen Provinzial-Vereins für Wissenschaft und Kunst für das Etatjahr 1883-1884 geht hervor, dass Landrat von Bönninghausen die Wiesenweihe als Bodenbrüter des Steveder Venns (Coesfeld) ansieht. Der „Ausschuss für Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands“ der Allg. deutschen Ornithologischen Gesellschaft zu Berlin gibt in seinem Jahresbericht 1885 (J. Orn. 1887) zur Kenntnis, dass KOCH aus Münster 1885 „am 6. Juni ein unbebrütetes Gelege von vier Stück“ erhalten hat und dass Ende Juli ein „flügges Junges“ im Zoologischen Garten Münster abgeliefert wurde. 1886 meldet KOCH ein Weibchen, das am 10. Juli bei Münster vom Nest gefangen wurde (Jahresbericht 1886, J. Orn. 1888). VON DER LIPPE (1920) berichtet, dass die Wiesenweihe „in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts“ noch zahlreich in den Heiden des Münsterlandes zu finden war, so bei Melbergen, Ochtrup, Metelen und Nienborg. „Im Lippetal ober- und unterhalb Hamm fand ich sie vor 20 Jahren noch hier und dort, jetzt aber auch schon lange nicht mehr.“ Nach WEMER (1906) war die Wiesenweihe 1885 bis 1905 die häufigste Weihenart im Münsterland: „brütet fast in allen Heiden“.
Ein Hinweis, das die Wiesenweihe schon im 19. Jahrhundert die Soester Börde (Teil der Hellwegbörde) einschließlich ihrer Randgebiete besiedelte, findet sich bei KOCH (1880/81) für die 1870er Jahre: Die Wiesenweihe kommt „sehr vereinzelt als Brutvogel in den Ruhr- und Lippewiesen vor“. RADE & LANDOIS (1886) erwähnen TENCKHOFF, der 1866 und 1870 in der weiten Umgebung von Paderborn in Roggenfeldern Kornweihen (Circus cyaneus)-Bruten entdeckt haben will. SCHMIDT (1908) will 1888 in Upsprunge bei Salzkotten und 1890 bei Beckum die Kornweihe als Bodenbrüter in Getreidefeldern angetroffen haben. Vieles spricht dafür, dass Verwechselungen mit der Wiesenweihe vorliegen – unter anderen die Tatsachen, dass die Kornweihe nur selten in Getreide brütet und das die Feldflur bei Uprsprunge in jüngerer Vergangenheit stetig von der Wiesenweihe besiedelt wird.
4.1.2. 20. Jahrhundert
Münsterland
Für das Münsterland bezeichnet REICHLING (1915/16) die Art als ziemlich seltenen Brutvogel: „In der näheren Umgebung Münsters habe ich sie nirgends brütend angetroffen, doch beobachtete ich Anfang Juni 1912 des öfteren ein Exemplar über einem Roggenfelde bei Kinderhaus. Präparator VORNEFELD erhielt im Mai 1908 ein Gelege mit 5 Eiern nebst dem alten Weibchen aus der Umgebend von Ochtrup. Nach Rektor GAUSEBECK brüteten noch einige Paare in der Umgebung von Borghorst, desgleichen nach Angaben des Pfarrer WIGGER bei Wessum. Auch bei Sythen wurde die Art brütend festgestellt.“ KOCH (1921/23) berichtet über Veränderungen in der Ornis des Münsterlandes der letzten 60 Jahre und erwähnt die Wiesenweihe als vereinzelten Brutvogel der Heiden bei Emsdetten und Saerbeck. In der Chronologie der Wiesenweihen-Beobachtungen informiert dann wieder REICHLING (1932). Er schreibt von der Wiesenweihe als (beschreibt die Wiesenweihe als einen) einem spärlichen Brutvogel des Münsterlandes (Umgebung von Wettringen, Ochtuper Venn, Amtsvenn) in den 1920er Jahren. Zwei Nachweise liegen für die 1930er Jahre vor: FALTER (in PEITZMEIER 1969a) äußerte Brutverdacht 1937 in einem Getreidefeld auf einem Kalkhöhenzug bei Neuenkirchen im nördlichen Münsterland. WEBER (1938) erbrachte 1938 einen Brutnachweis am Heiligen Meer bei Hopsten. WOLFF (1952) erwähnt, das sie „noch heute als spärlicher Brutvogel des Münsterlandes …“ vorkommt. An den Hausdülmener Fischteichen hat die Wiesenweihe 1953-1955 sowie 1956 und 1960 in der Umgebung von Vreden gebrütet (PEITZMEIER 1969a).
Hellwegbörde
Für die Hellwegbörde bei Erwitte schreibt KNEER (1925), dass um 1905 Circus pygargus in auffallender Menge auftrat. Ein wichtiger Hinweis darauf, dass gerade die Börde schon seit vielen Jahrzehnten traditionelle Heimat der Wiesenweihe ist. Der Landwirt ANTON SCHULTE-HAMPE (mdl.) aus Langeneicke bei Geseke erlebte in seiner Kindheit um 1915, dass Jungvögel der Wiesenweihe, die während der überwiegend per Hand durchgeführten Erntearbeiten entdeckt wurden, zur Seite gesetzt und somit geschützt wurden. Er berichtet aber auch, das die Jungen der am Boden brütenden Weihe von einigen Bauern als junge Habichte bezeichnet und auf den Feldern totgeschlagen wurden. In der Avifauna von Westfalen befindet sich ein Foto aus dem Jahr 1928 von einem Brutplatz der Wiesenweihe in einem Roggenfeld bei Eikeloh (PEITZMEIER 1969a: 214). REICHLING (1932) erwähnt dieses Brutvorkommen in den weiten Feldfluren der Hellwegbörde bei Erwitte und Lippstadt: „am 11. Juli 1928 wurde mir ein Horst mit 14tägigen Jungvögeln gezeigt“ (vgl. PROBST 1952).
GOETHE (1948) beobachtete am 29.Juni 1930 eine männliche Kornweihe westlich von Paderborn an der Straße nach Lippstadt. Nach den vorliegenden Beschreibungen dürfte es sich aber um eine Wiesenweihe gehandelt haben. Der Biologe BERHARD MEIER (mdl.) aus Büren wusste von Nestern im Roggen in den Jahren 1934 und 1936 bei Langeneicke: „Die Binder haben sich bei den Erntearbeiten manchmal in den Horstplattformen verfangen. Auch zu dieser Zeit wurden Jungvögel zur Seite getragen und somit geschützt.“
WOLFF (1952) erwähnt Anfang der 1950er Jahre, das sie „noch heute als spärlicher Brutvogel … der weiten Feldfluren bei Lippstadt“ vorkommt. Das Wiesenweihen-Bruten in Getreidefeldern der Feldlandschaften nichts ungewöhnliches sind, belegt die Arbeit von ALPENS (1952): „Die Wiesenweihe ist die „Korn“-Weihe“. Die Nachweise von FALTER (mdl.) in der Hellwegbörde – 1954 bei Soest, Weslarn und Ostinghausen; 1955 bei Scheidingen-Sönnern und Weslarn (erfolgreiche Brut) – belegen, dass die Besiedlung des Getreideanbaugebietes durch die Wiesenweihe offensichtlich nicht abgerissen ist. GUDRUN ASKAMP berichtet FALTER von einer Brut 1956 bei Haus Lohe/Werl mittels Fotos eines Jungvogels. TRENDELKAMP (schriftl.) erbrachte 1956 einen Brutnachweis bei Brockhausen. Die Biologen hatten in den 1950er Jahren längst verinnerlicht, dass die Feldweihen zur Grundausstattung der Börde-Vogelwelt zählen. HANDKE erwähnte in seinen Beiträgen „Von der Tierwelt des Kreises Soest“ (1952a) und „Die Lebensräume unserer Vögel“ (1956) jeweils die im Korn brütende Weihe („Kornweihe“) und meinte die Wiesenweihe. Selbst im Jahr 2000 wird die Wiesenweihe u.a. von Landwirten als Kornweihe bezeichnet. HANDKE (1952b): „Der Landmann trifft beim Mähen auch einmal auf den Bodenhorst einer graublauen Kornweihe, deren Weibchen bräunlich aussieht. Beide verzehren alles mögliche Kleingetier, besonders Ratten und Mäuse.“ Um 1959 bestand Brutverdacht für die Umgebung von Dinker (VON DER MÜHLEN in KÖPKE et al. 2000).
Warburger Börde
In der Warburger Börde, einer ähnlich strukturierten Feldlandschaft wie die Hellwegbörde, bestand 1925 bei Scherfede Brutverdacht in Hochstauden (LAUDAGE 1995 zit. W. SCHWARZE). Im Jahr 1934 gelang der Nachweis einer Wiesenweihen-Brut: Am 15. Juli wurde PEITZMEIER (1938) ein Ei aus dem Gelege in einem Roggenfeld (eines Roggenfeldes?? Oder war Peitzmeier grade im Roggen zugange, als er das Ei bekam?) gebracht.
4.2. Bestandsentwicklung und Verbreitung 1966 – 1999
4.2.1. Bestandsentwicklung
Westfalen
In Westfalen führte das verstärkte Interesse an der Vogelwelt und die zunehmende Zahl an Beobachtern in den 1960er Jahren zu einer Reihe von Brutzeit-Feststellungen und Brutnachweisen bei der Wiesenweihe (s. PEITZMEIER 1969a, b). Der Bestand schwankte von 1966 bis 1969 auf einem sehr niedrigen Niveau. Verteilt auf vier Topographische Karten 1:25 000 („MTB“ eigentlich unter uns Geographen TK 25) wurden zwischen einem und vier Paaren festgestellt: Ostwestfalen 3520 Schlüsselburg (1967 bei Schlüsselburg/Weser, SCHOENAGEL); Hellwegbörde: 4316 Lippstadt, 4412 Unna, 4415 Anröchte (Abb. xx). Für das Münsterland und die Warburger Börde liegen für die 1960er Jahre keine Brutnachweise vor.
Im Jahr 1993 und 1994 wurde in Westfalen eine Höchstzahl mit 49 gefundenen Wiesenweihen-Brutpaaren registriert. Die Paare brüteten 1993 auf 10 und 1994 in zwölf MTB`s. Ende der 1990er Jahre kam es in einzelnen westfälischen Regionen zu Bestandsschwankungen (Hellwegbörde, Warburger Börde), in anderen Gebieten führten Bestandsrückgänge letztlich zum Erlöschen der Vorkommen (Nördliches Münsterland), weitere Gebiete sind nicht stetig besetzt (Paderborner Hochfläche, Steinheimer Börde). (??? Im nördlichen Münsterland führten Bestandsrückgänge letztlich zum Erlöschen der Vorkommen, auf der Paderborner Hochfläche und in der Steinheimer Börde waren die Brutplätze nicht stetig besetzt??)
Münsterland
Im Münsterland gab es nach 15 Jahren zumindest wieder Meldungen mit Brutverdacht: 1975 und 1976 aus Neuenkirchen bei Rheine, 1975 aus Ahlstätte (Alstätte??) bei Ahaus (BEDNAREK schriftl.). Brutnachweise liegen dann (allerdings?) erst wieder ab 1993 aus dem nördlichen Münsterland vor. Die Wiesenweihe konnte als Brutvogel im Umfeld des Recker Moores – an der Landesgrenze zu Niedersachsen – nachgewiesen werden. Von 1993 bis 1996 wurden immerhin zehn Getreidebruten bei Recke, Greven und Lienen registriert. Seit 1997 ist dieses kleine Vorkommen wieder erloschen (AGF 1994-1999, KIPP schriftl.). Im Kreis Warendorf wurden in den 1990er Jahren wiederholt Brutzeitbeobachtungen erbracht, ein sicherer Brutnachweis liegt aber nur für 1994 aus der Emsaue bei Beelen-Greffen (MTB 4014 Sassenberg) vor (NABU-Warendorf 1993-2000).
Hellwegbörde
TRENDELKAMP wies Ende der 1960er Jahre in der Soester Börde alljährlich 2 bis 5 Paare (???) nach. Immer häufiger wurden dabei durch Erntemaschinen verursachte Brutverluste festgestellt. Die Ornithologen begannen mit Schutzmassnahmen für die gefährdeten Bruten. Eine Grundvoraussetzung für den Schutz war das Wissen um die Neststandorte. Die Betreuung war notwendig, weil die Wiesenweihe auf Grund der Technisierung in der Landwirtschaft, der Anwendung neuer Bearbeitungs-Techniken und einem früheren Erntetermin des Getreides – bedingt durch neue Sorten – auf Dauer wohl weitere Bestandsrückgänge hätte erleiden müssen. Die Landwirte erhielten für die Schutzmaßnahmen (??welche?? das Stehenlassen des Getreides im Horstumfeld über die Erntereife hinaus) einen finanziellen Ausgleich. Damit ist der Wiesenweihenschutz eines der ältesten Projekte des Vertragsnaturschutzes. 1966 gelang ein Brutnachweis östlich von Unna – einem Gebiet, aus dem bisher kein Nachweis vorlag (FRÖHLING & PRÜNTE 1966). Von PETZOLD (1970) liegen Brutzeitbeobachtungen für 1965 und 1968 aus den Ahsewiesen nördlich von Soest vor. STICHMANN (mdl.) berichtet von einem Brutverdacht im Jahr 1969 bei Büecke südlich von Soest. TRENDELKAMP meldete für das Handbuch der Vögel Mitteleuropas Ende der 1960er Jahre fünf Paare für den Raum zwischen Unna und Geseke (GLUTZ et al. 1971). Als Ergebnis lässt sich ableiten: Die Wiesenweihe wurde Ende der 1960er Jahre jährlich als Brutvogel in der Hellwegbörde bestätigt.
Bereits 1970 hatte sich die Zahl der Brutpaare in der Hellwegbörde auf zehn Paare verdoppelt, in den 1970er Jahren stieg die Paarzahl auf zwölf (1977) und 1980 auf 16 Paare an, 1980 verteilt auf nur vier MTB`s: 4217 Delbrück, 4315 Benninghausen, 4316 und 4317 Geseke (Abb. xx). Die Ursache für die Bestandszunahme dürfte vornehmlich auf die intensiven, vielfältigen und erfolgreichen Initiativen zum Schutz der Bruten zurückzuführen sein. Dazu beigetragen haben der gute Bruterfolg, eine günstige Nahrungssituation in Jahren mit Feldmausgradationen und die ausgesetzte Greifvogel-Bejagung.
Zunehmend erkannt wurde auch die grosse ökologische Bedeutung der weiträumigen, waldfreien Feldlandschaft für eine Vielzahl von Vogelarten (z.B. STICHMANN 1966). Der Bau der Autobahn 44 – fertiggestellt 1974 – wirkte sich nachteilig auf die Brutgebiete der Wiesenweihe bei Soest-Opmünden und Anröchte-Berge aus.
Die 1980er Jahre waren durch zwei Entwicklungen gekennzeichnet: Zum einen erhöhte sich der Brutbestand auf mehr als 20 Paare, zum anderen kam es infolge des Populationsdrucks zu einer Vergrößerung des Verbreitungsgebietes. Auffallend dabei der Brutvorstoß in westliche Richtung, nach 20 Jahren wurde der Raum Werl-Unna wieder besiedelt: Dort bildete sich in den folgenden Jahren eine kleinere Brutkonzentration (Abb. yy). Mittels Beringung wurde auch nachgewiesen, das sich Jungvögel aus der Hellwegbörde in benachbarten Gebieten wie der Warburger Börde, Steinheimer Börde und Paderborner Hochfläche ansiedelten. (??Durch die Beobachtung beringter Brutvögel konnte indirekt nachgewiesen werden/liegt die Vermutung nahe, dass benachbarte Gebiete wie die Warburger Börde, die Steinheimer Börde und die Paderborner Hochfläche von nestjung beringten Wiesenweihen der Hellwegbörde besiedelt worden sind/werden.)
Anfang der 1990er Jahre erhöhte sich der Bestand deutlich: 1993 44 Paare, davon allein 17 Paare im Bereich Langeneicke-Eikeloh-Mittelhausen-Störmede (Welches MTB/TK 25?).
Warburger Börde
In der Warburger Börde entdeckte PRÜNTE 1977 eine erfolgreiche Brut im Körbecker Bruch in einem Schilf-Röhricht. Lag für 1987 nur ein Brutverdacht vor, so konnten 1988 bereits drei Bruten registriert werden (LAUDAGE 1995). Seither erfolgte eine kontinuierliche jährliche Besiedlung der Warburger Börde. So wurden 1990 und 1997 je vier, 1994 sogar sechs Brutpaare nachgewiesen (LAUDAGE 1995, SCHRÖDER schriftl.).
Ostwestfalen
In Ostwestfalen wurde nach 1967 erst wieder 1977 eine Brut im nördlichen Kreis Minden-Lübbecke auf dem MTB 3417 Wagenfeld entdeckt (OAG Detmold 1977). (Und danach??)
4.2. Verbreitung
(??Auch unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Beobachtungsintensitäten ist im Zeitraum von 1966 bis 1999 eine auffallende Konzentration der Wiesenweihen-Bruträume in Westfalen offensichtlich:)
Von 1966 bis 1999 wurden bestimmte Gebiete in Westfalen von der Wiesenweihe auffallend als Lebensraum bevorzugt: Mehr als 50 % (317 von 621 Paaren) aller beobachteten Bruten lagen im Bereich zweier MTB`s (Abb. xx). Das MTB 4316 Lippstadt beherbergte im Verlauf der 34 Untersuchungsjahre 212 Brutpaare (34,1 %), das MTB 4317 Geseke 105 Brutpaare (16,9 %). Das belegt die Konzentration der westfälischen Population auf die Kernbereiche der Hellwegbörde (??Die Kernbereiche der Hellwegbörde sind damit der wichtigste und herausragendste Lebensraum der Wiesenweihe in Westfalen??). 453 Paare (73,0 %) siedelten im Zeitraum 1966-99 in nur vier, zudem noch benachbarten MTB`s: 4316 Lippstadt, 4317 Geseke, 4415 Anröchte und 4315 Benninghausen. Auch bei der Stetigkeit der Besiedlung im Zeitraum 1966 bis1999 nehmen die genannten MTB`s eine herausragende Bedeutung ein: In 32 von 34 Jahren (94,1 %) war das MTB 4316 Lippstadt von mindestens einem Paar besetzt. Die Gebietstreue zum MTB 4315 betrug 70,6 % (24 von 34 Untersuchungsjahre).
In der Hellwegbörde konzentrieren sich die Brutplätze der Wiesenweihe auffallend in der klimatisch begünstigten Unterbörde. Bei der Ankunft der Vögel Ende April/Anfang Mai steht das Getreide hier dichter und höher als in der Oberbörde und auf dem Haarstrang. Wintergerste und -roggen sind zu diesem Zeitpunkt rund 15 cm höher als Weizen und bieten der Wiesenweihe geeignete Strukturen für den Nestbau. In der Oberbörde wächst das Getreide auf den trockenen Kalksteinböden meist lückiger. Zwar werden hier Brutplätze seltener gefunden, aber als Jagdgebiet hat die Oberbörde mit ihren Stilllegungen (??im Rahmen der EU-Agrarförderung befristet stillgelegten Ackerflächen) eine herausragende Bedeutung. Der Haarstrang ist, klimatisch bedingt, mit der Vegetation um 10-14 Tage im Vergleich zur Unterbörde zurück. (?Die Vegetationsentwicklung des Haarstrangs ist, klimatisch bedingt, gegenüber derer der Unterbörde um 10-14 Tage verzögert) Hier konnten nur vereinzelt und unregelmäßig Bruten gefunden werden, (??er weist aber als Nahrungsraum eine der Oberbörde gleich zu setzende Bedeutung für die Art auf.??)
Das traditionell belegte Brutvorkommen der Wiesenweihe im Bereich Langeneicke-Eikeloh-Mittelhausen-Störmede stellt in den 1990er Jahren ein Verbreitungszentrum der Art in Deutschland dar. Nach Glutz et al. (1971) und KROGULEC (1993) sind kolonieartige Ansiedlungen mit einer derart hohen Dichte der Wiesenweihe dort anzutreffen, wo optimale Lebensbedingungen für die Art existieren.
5. Diskussion
5.1. Historische Verbreitung
Vor allem aus den älteren Befunden lässt sich zweifelsfrei ableiten, dass die Wiesenweihe ein fester Bestandteil der westfälischen Avifauna ist. Seitdem Ornithologen der Vogelwelt in Westfalen ihre Aufmerksamkeit widmen, ist die Wiesenweihe in diesem Raum als Bruvogel nachgewiesen. Die Wiesenweihe erregte das Interesse der westfälischen Beobachter schon zu einer Zeit, als der Umgang mit der Literatur und die Mitteilung von feldornithologischen Beobachtungen noch in den Kinderschuhen steckten, also schon Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Art ist kein „Neubürger“, sondern zählt zum Traditionsgut der westfälischen Avifauna und ist ein westfälisches Faunenelement. Seit 1850 ist das Brutvorkommen der Wiesenweihe für Westfalen belegt und man kann sicherlich annehmen, dass die Art wesentlich früher in den Heiden und Mooren des Münsterlandes sowie den ackerbaulich geprägten Feldlandschaften der Börden siedelte. Es ist nicht einmal auszuschließen, Vieles spricht dafür, dass die Art möglicherweise wahrscheinlich hier schon im frühen Mittelalter vorkam. Die Voraussetzungen für das Vorkommen waren seit Jahrhunderten gegeben: So wird die Hellwegbörde schon für das 8 Jh. als offene, waldarme Landschaft beschrieben. Im 9. und 10. Jh. kam es dann zu Siedlungsverdichtungen und Waldrodungen (MTB`s 4315-17). Die Ackerbauern schufen mit den umfangreichen Waldrodungen neue Anbauflächen. Bereits im 9. Jh. war das heutige Landschaftsbild der nahezu waldfreien, weiträumigen Feldlandschaft mit seinem Siedlungnetz weitgehend vollständig ausgebildet (ZITAT KARTE INGOLF KÜHN aus englischer rekonstruierter Karte der historischen Waldverbreitung um etwa 1000: Börde dort eindeutig waldfreier Raum): „Der Ackerbau war durch das Mehrfelderbrachsystem geprägt. Angebaut wurden Wintergerste, Sommergerste, Roggen, Hafer und in geringem Umfang Weizen. Die Bewaldung zu diesem Zeitpunkt beschränkte sich auf Bereiche, in denen Ackerbau unmöglich war oder in denen ein hohes Ertragsrisiko bestand“ (LEIFELS 1993).
Für das 10. Jh. werden für die westfälischen Börden regelmäßige Feldmausplagen (Microtus arvalis) beschrieben, dem Hauptbeutetier der Wiesenweihe im 20 Jh. Die Feldmaus ist in Westfalen die Wühlmaus der offenen Landschaft; Gradationen treten vorzugsweise in den ackerbaulich geprägten Börden und Ackerbaugebieten auf (SCHRÖPFER & HILDENHAGEN 1984).[2]
5.2. Bestandsentwicklung und Verbreitung 1966-1999
ACHTUNG: NUR TEXTBAUSTEINE!!! Noch nicht fertig
Kontinuierliche Bestandszunahme von 2-4 Paaren auf 50 BP. Gründe
Eine der bedeutensten Populationen in Deutschland.
Ein Vergleich der Wiesenweihen-Verbreitung in Westfalen im 19. und im 20. Jh. zeigt, dass es zu Veränderungen des räumlichen Besiedlungsmusters gekommen ist. Während die Feldlandschaft der Hellwegbörde seit jeher als Brutgebiet dient, hat sich die Weihe aus dem westlichen Münsterland weitgehend zurückgezogen. Der Rückzug der Art aus diesem Raum geht (??ging?) einher mit der Kultivierung und dem flächenmäßigen Rückgang der Heide- und Moorgebiete.
Notwendige Schutzmaßnahmen Gefährdung des Lebensraumes
Die herausragende Bedeutung der Hellwegbörde für die Wiesenweihe in Deutschland hängt speziell damit zusammen, dass die Art in der Lage ist, ihre Brutplätze großräumig verlagern zu können.
Die Hellwegbörde ist aus fachlicher Sicht als flächenmäßig geeigneter Wiesenweihen-Lebensraum einzustufen.
Ein Satz: In Westfalen dominieren Getreidebruten (xx %),
Atlantisches Klimaregime naß-kalte Sommer
Mainfränkische Platten: kontinentales Klima mit trocken-warmen Sommer
Geschlossene Ortslagen
Störungsarme Feldfluren
In der Bundesrepublik Deutschland erbrachte eine Bestandserhebung 1976 und 1977 100-120 Brutpaare, von denen 7-13 Paare in Nordrhein-Westfalen brüteten (KUSSMAUL 1980).
Die Schutzmaßnahmen für die Wiesenweihen-Bruten sind vergleichbar mit den Maßnahmen zum Erhalt z.B. von Großtrappe, Brachvogel, Uferschnepfe, (Kampfläufer, Rotschenkel).
(??Gedanke: Sie wirken in ihrer Intensität jedoch bei weitem nicht derart gravierend auf die jeweils aktuelle Flächennutzung aus wie das bei den genannten weiteren Artenschutzprogrammen der Fall ist. Abgesehen von der nicht unkritisch zu beurteilenden Prägung und der damit einhergehenden Abgängigkeit der Art auf den Feldlebensraum durch den Schutz der Horstplätze im Getreide, ist die Wiesenweihe auch aktuell in der Lage, unter den „EU-Bedingungen“ ihren Lebensraum zu behaupten und sich erfolgreich zu reproduziern!!!?? Damit kann die Art – vorausgesetzt der gordische Knoten der frühen Erntetermine wird einmal zerschlagen – als Beispiel für die Anpassung und die Coevolution in der Kulturlandschaft, besser gesagt der Agrarlandschaft dienen.)
Ende der 1940er Jahre kam es in der Landwirtschaft zu massiven Veränderungen in der Landbewirtschaftung, die sich unmittelbar auf die Wiesenweihe auswirkten: die Mechanisierung (um 1954 erster Mähdrescher); der Einsatz von Mineraldüngern; die Einführung von Pflanzenschutz- und synthetischen Düngemitteln. Erst Anfang der 1950er Jahre liegen wieder verwertbare Angaben zur Verbreitung und Bestandssituation der Wiesenweihe vor.
Im Jahr 1988 führte die Europäische Gemeinschaft ein ökonomisch bedingtes Flächen-Stilllegungsprogramm ein, bei dem maximal 16 % (??) der Ackerflächen aus der Bewirtschaftung genommen wurden. Bis 1995 entstanden großflächig selbstbegrünte Flächen, die reich an Mäusen, Kleinvögeln und Insekten waren. Der sehr heterogen strukturierte Pflanzenbewuchs sowohl mit schütter als auch höher bewachsenen Flächen boten eine gute Erreichbarkeit der potentiellen Beute und wurden gerne von der Wiesenweihe zur Nahrungssuche genutzt. Zwei nicht erfolgreiche Ersatzbruten der Wiesenweihe wurden in selbstbegrünten Stilllegungsflächen festgestellt. Seit Ende der 1990er Jahre wurde auf den weiterhin „stillgelegten“ Ackerflächen vorzugsweise Raps als „nachwachsender Rohstoff“ angebaut. Die durch den einheitlich hohen und dichten Bewuchs geprägten Flächen wurden von der Wiesenweihe nur selten zur Nahrungssuche genutzt („Grüner Beton“), drei Bruten wurden in Raps festgestellt.
Der Einsatz des Pestizids DDT führte in den 1960-70er Jahren zu einer Umweltkatastrophe (CONRAD 1977). Bei der Rückstandsanalyse von Eiern und Lebern frischtoter Wiesenweihen konnten in den 1970 und 80er Jahren hohe Konzentrationen an DDT, DDT-Abbauprodukten und PCB festgestellt werden. Noch Ende der 1990er Jahre sind die DDT-Abbauprodukte bei Untersuchungen nachweisbar (DENKER et al. i.V.).
Die räumliche Verlagerung der Neststandorte ist eine typische Erscheinung bei der Wiesenweihe. In Abbildung xx sind diese räumlichen Verschiebungen zu erkennen: (Beispiel Stirpe – Klieve). So wirken sich Störungen während der Brut und erfolglose Jungenaufzucht gravierend auf die weitere Besiedlung und die Wiederholung eines Brutversuches in den folgenden Jahren aus. Als Ursachen dafür, das einzelne Gebiete für Jahre verlassen, (dann aber wieder besiedelt werden,) wurden Störungen, Nahrungsmangel und Veränderungen in der Bewirtschaftung (z.B. großflächig Gemüse statt Getreide) festgestellt. Auch auf dem stetig besiedelten MTB Lippstadt kam es zur Verlagerung der Neststandorte. Diese Umsiedlungen könnten eine Strategie der Art sein, um z.B. flexibel auf veränderte Nahrungssituationen reagieren zu können (Hauptbeute: Feldmaus; starke Populationsschwankungen bei dieser Mäuseart). Vielleicht hat die Verlagerung der Brutplätze auch den Vorteil, daß die Nester (?Horste) von Feinden (?Nesträubern) nicht so schnell gefunden werden.
?? Damit die Wahl der Neststandorte gewährleistet ist, muß der Wiesenweihen-Lebensraum großräumig erhalten werden.
6. Danksagung
Größte Verdienste um den Schutz der Wiesenweihen sind/hat sich Herrn Theodor Trendelkamp = anzurechnen/erworben, der sich aufgrund eines Hinweises von Herrn Werner Prünte ab 1966 für den Schutz der Wiesenweihe in der Soester Börde einsetzte. Helfer der ersten Stunde waren seine Soester Schüler Martin Hesse, Helmut Petzold und Thomas Raus.
Ab 1974 wurde er bei der Suche und dem Schutz mit großem Einsatz unterstützt von
Charlotte Glimm =, Lippstadt; Ralf Joest, Böckum; Ingo Kottmann, Schlangen; Otto Raap =, Lippstadt und Erich Zienicke =, Upsprunge. Theo Trendelkamp, Charlotte Glimm und Otto Raap suchten über Jahre hinweg auch nach dem Überschreiten ihres 65. Lebensjahres (?oder sind alle vor 1901 geboren?) mit dem Fahrrad die Fluren nach Wiesenweihen-Bruten ab.
Stellvertretend für die vielen Personen, die ihre Beobachtungen meldeten oder bei den Schutzmaßnahmen halfen, gilt unserer besonderer Dank Birgit Beckers, Nateln; Jürgen Behmer, Schallern; Dr. A. Brinkmann, Horn; Dr. Margret Bunzel-Drüke, Soest; Bernhard Gluer, Fröndenberg; Hubertus Illner, Soest; Hermann Knüwer, Wadersloh; Robert Plattfaut-Schumacher, Wiggeringhausen.
Im Kreis Warburg suchten und schützten die Wiesenweihe vornehmlich Franz-Josef Laudage =, Scherfede und Herbert Schröder, Borgentreich. In der Steinheimer Börde und auf der Paderborner Hochfläche engagierte sich Ingo Kottmann, Schlangen; im nördlichen Münsterland Manfred und Christian Kipp, Lengerich und Robert Tüllinghoff, Voltlage.
In den Jahren bis 1988 wurde den Landwirten für den Schutz der Wiesenweihenhorste und dem damit verbundenen größeren Arbeitsaufwand bei der Bewirtschaftung ihrer Felder eine Entschädigung vom Landesjagdamt Nordrhein-Westfalen (NRW), in einzelnen Fällen von dem zuständigen Hegering und von beteiligten Ornithologen gewährt. Die Bezirksregierung Arnsberg und die Kreisverwaltung Soest beteiligten sich beim Kauf von Schutzeinrichtungen.
Von 1989 bis 1992 wurden Vereinbarungen zum Schutz der Getreidebruten mit den Landwirten durch die Ämter für Agrarordnung Soest und Warburg abgeschlossen und vom Land bezahlt.
1993 wurde bei der Biologischen Station Soest eine Stelle für den Weihenschutz in Mittelwestfalen geschaffen. Das Land fördert seither über die Bezirksregierung Arnsberg das „Schutzprogramm für Rohr- und Wiesenweihen“. Unser Dank gilt stellvertretend Thomas Neiss (Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW), Siegfried Mertens und Ludolf Ulrich (Bezirksregierung Arnsberg) sowie Dr. Theodor Mebs (Staatliche Vogelschutzwarte NRW).
Ein besonderer Dank gilt allen Landwirten, die sich am Schutz der Wiesenweihen-Bruten beteiligten. Sie gestatteten das Betreten der Felder zur endgültigen Festlegung der Gelege; nahmen Behinderungen beim Mähen, Strohpressen, Grubbern, oft auch noch bei der Rapsaussaat bis hin zur Änderung der Fruchtfolge in Kauf, um den Jungvögeln das Ausfliegen zu ermöglichen. Hervorgehoben zu werden verdienen die Langeneicker Landwirte Konrad Mergenmeier, Anton Meyer = und Josef Schulte-Hampe, in deren Feldern die Wiesenweihen je mindestens 16 x brüteten. Ihnen ein zusätzliches Dankeschön für ihre Geduld mit den Weihen und den Vogelschützern.
Dank gebührt Franz Alhoff, Bettinghausen, der mehrmals Teile seiner Gerstenfelder nach der Mahd weit über die vereinbarte Zeit für die Genesung einzelner Jungvögel zur Verfügung stellte, die bei der Mahd, beim Strohpressen oder durch Hundebiß Verletzungen erlitten hatten.
Ein besonderer Dank gilt allen Mähdrescher–Unternehmern und -fahrern: Über lange Jahre beteiligten sich mit unermüdlichem Einsatz am Schutz der Gelege: u.a. Konrad Mergenmeier, Langeneicke; Alois Altrogge, Upsprunge; Heiner Fecke, Thüle; Michael Rickard, Bettinghausen.
Wir bitten um Entschuldigung, wenn uns bei der Vielzahl der beteiligten Landwirte und der zu berücksichtigenden 34 Jahre, von 1966 bis 1999, Namen, besonders aus den Anfangsjahren nicht mehr bekannt sind oder jemand vergessen wurde. Wir sind bemüht auch die Anzahl der geschützten Gelege zu nennen (Anzahl in Klammern hinter den Namen, bei Nichtnennung 1malige Beteiligung):
J. Adämmer, Westernkotten; F. Alhoff, Bettinghausen (3x); M. Alpmann =, Verne (2x); A. Altrogge, Upsprunge (2x); F. Amelunxen, Geseke; A. Bake, Paradiese; O. Beckmann =, Böckum (2x); J. Behme, Wiehagen; F. Berglar-Voß, Overhagen (2x); H. Berlinghoff, Niederbergheim (2x); J. Bergschneider, Scharmede (4x); F. Bertelsmeier, Upsprunge; H. Blömeke =, Langeneicke; K. Böddeker, Störmede (2x); J. Bolte, Verne; H. Böhmer, Langeneicke (3x); F. Borgelt, Overhagen; H. Borgschulze, Weslarn; W. Bonnekoh, Ruhne; Th. Bracht, Stirpe (4x); A. Brinkhaus, Störmede; H. Brinkhoff, Anröchte; J. Brinkmann, Scharmede (3x); F.-J. Brock, Westernkotten; J. Bühner, Klieve; H. Büker, Weckinghausen; B. Bukler, Verlar; F. Conze-Hengst, Borgentreich; F.-J. Cramer, Geseke (2x); J. Dahlhoff, Völlinghausen; F.-J. Degener, Langeneicke (4x); J. Deimel, Westernkotten (2x); J. Deimel, Ebbinghausen; H. Deiters, Störmede (3x); M. Diemel, Enkesen/ Klei (3x); E. Dierkes, Körbecke; J. Dieste, Anröchte; H. Drewer-Gutland, Ehringhausen; J. Drüke, Salzkotten; J. Eikel, Scharmede (4x); J. Eikel-Fraune, Scharmede (2x); Th. Einhoff, Weckinghausen; N. Erdmann, Westernkotten; J. Fraune, Thüle; J. Frielinghausen, Anröchte; W. Fründt, Upsprunge; W. Gerdesmeier, Thüle (4x); J. Gockel-Rixen, Störmede; M. Gockel-Böhner =, Störmede; F. Gödde = u. Familie, Ehringhausen (4x); A. Gottbrath =, Langeneicke (2x); F. Grote, Langeneicke (5x); J. Gudermann, Westernkotten; J. Günnewig, Bökenförde; J. Hansbuer, Schallern; H. Haase =, Thüle; J. u. M . Hassenjürgen, Upsprunge (2x); J. Hecker, Upsprunge (2x); H. Heiming, Völlinghausen (3x); Heinrich, Ehringhausen; P. Henn, Böckum; W. Herbold, Borgentreich; H. Hermannschulte, Völlinghausen (3x); Hilleke, Mönninghausen; M. Hötte, Seringhausen; E. Hollenbeck, Westernkotten; N. Hoppe, sen. u. jun. Westernkotten (2x); H. Hüggenberg, Neuengeseke; H.-J. Hupe, Scharmede; J. Isekenmeyer, Verne; H. Jacob, Berenbrock; A. Jacobi-Schäfer,Westernkotten; F.-G. Jäker, Völlinghausen; H. Jasper, Schlückingen; J. Jaspert, Altengeseke; Jungermann sen. =, Bökenförde (2x); F. Kellner, Verne (2x); J. Kemper-Köster =, Störmede; F.-J. Kloid, Borgentreich; K. Knoop =, Stirpe; W. Knoop-Schnieder, Stirpe; Knuus, Dreckburg, Salzkotten; Albert = u. B. Köller, Bökenförde (4x); J. Kölsch, Störmede; H. Koch, Scharmede (2x); M. Koch, Scharmede; K. Koch, Borgentreich (2x); F. Koch-Schulte, Seringhausen; H. Kolkmann, Bökenförde; F. Krahn, Bökenförde; W. Kühne, Lohne; F. Küke, Kellinghausen; J.-K. Langehans, Störmede; F.-G. Langehenke, Vernerholz; A. Lappe, Geseke (3x); F. Laux =, Langeneicke; P. Levenig, Erwitte (2x); H. Linneweber, Geseke; F. u. H. Lohmann, Eikeloh (4x); H.-W. Lohmann, Sönnern; W. Luhmann =, Bettinghausen; K. Maas, Siddinghausen; A. Meilfes, Langeneicke (7x); H. Mennemeier =, Thüle; K. Mergenmeier, sen. = u. jun., Langeneicke (16x); J. Meschede, Upsprunge; A. Meyer, sen. u. jun., Langeneicke (16x); A. Mollerus, Effeln; L. Niggemeier, Robringhausen; H. Niggemeier, Lohne; J. Nilges, Störmede (3x); M. Nölkensmeier, Verne (3x); K. Nölleke, Scharmede; S. Nolte, Verne; E. Numsen, Merklinghausen; J. Pape, Geseke; F. Pieper-Hunold, Bökenförde; J. Plass =, Thüle; K. Platenius, Neuengeseke; J. Prenger, Schlückingen (5x); W. Radine, Ebbinghausen; A. Rehborn, Langeneicke (2x); A. Reineke, Brockhausen; H. Rickert-Schulte, Weckinghausen (2x); T. Rickert-Löser, sen.u. jun. Stirpe (5x); W. Riepe, Borgentreich; K. Röhren, Scharmede; H. Rogge, Scheidingen; F. Romberg, Mittelhausen; A. Rotgeri, Geseke; H. Rump, Langeneicke (9x); H. Rüther, Rüthen; U. Rüther- Blanke, Menzel; A. Schäfer-Jacobi, Bad Westernkotten; A. Schäfers, Sieveringen; L. Scherf, Thüle; J. Schlenger, Scharmede; (2x); M. Schlösser, Oberense; L. Schlotmann, Weslarn (2x); J. Schmidt, Geseke; K. Schmidt, Geseke; B. Schmöle, Waltringen; Schmücker, Kellinghausen; H. Schnelle, Störmede (2x); B. Schnieders, Langeneicke (5x); J. Schorlau, Anröchte; W. Schrewe,Thüle (3x); N. Schröder, Altengeseke (9x); L. Schrop, Eikeloh; J. Schulte, Geseke; J. Schulte, Verne; M. Schulte, Westhemmerde; T. Schulte, Scharmede; K.-J. Schulte, Domhof (2x); Schulte-Ahrens; Anton = und J. Schulte-Hampe, Langeneicke (16x); Schulte-Niermann; Schulte-Remmert, Dedinghausen; Schulte-Rixmeier, Westernkotten; F. Schulte-Thiemeier, Rixbeck (4x); K.-E. Schulze, Müllingsen; Schumacher-Rinsche, Wiggeringhausen (3x); B. Schwarte, Geseke; F. Schweins, Störmede (4x); H.-J. Severin, Waltringen; W. Seithe, Wambeln; A. Simon, Langeneicke (2x); D. Sommer, Enkesen im Klei; E. Sommer, Robringhausen; J. Sommer, Völlinghausen; H. Sommer, Ense (4x); J. Sprink =, Langeneicke; Steinmann, H.-P., Erwitte (2x); A. Stukenberg, Verne (8x); J. Stute-Schlamme, Büderich; K. Syring, Thüle; B. Syring, Thüle (4x); W. Temborius, Scharmede (2x); P. Thiemann, Ense (2x); W. Thiemann, Ehringhausen (2x); F. Thiemeyer, Berenbrock; H. Varnholt, sen. u. R. jun., Enkesen im Klei (4x); T. Vielberg-Haarhof, Bremen (2x); J. Vollmer, Geseke; H.W. Vormberg, Enkesen; Dr. Vornegut, Schmerlecke (2x); J. Votsmeier, Thüle; I. Wegener-Merschmann =, Bettinghausen; E. Wenner, Wiehagen (4x); S. Werning, Scharmede; H. Werning, Scharmede; K. Wesling, Langeneicke (6x); A. Westerfeld, Westernkotten; H. Westerhold, Bettinghausen; H. Wieneke-Stöcker, Bökenförde; D. Wiener, Lohne; R. Wilmes, Verne; F. Wilmesmeier, Bökenförde; Windhüvel, Beusingsen; F. Wördehoff, Stirpe; Wünnerke, Salzkotten.
Obwohl der westfälische Landsmann an sich ja als sturer Dickkopf(dickköpfiger Einzelgänger??) gilt, haben demnach 34 Jahre lang viele Personen konstruktiv zusammen gewirkt.
7. Zusammenfassung
In Westfalen konnten Brutvorkommen der Wiesenweihe im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands vergleichsweise früh (1850) nachgewiesen werden. Für das 19 Jh. liegen nachfolgend nahezu durchgängig Nachweise auf Brutvorkommen in den Heide- und Moorgebieten des Münsterlandes und den Feldlandschaften der Börden vor. Im 20. Jhr. kam es zu Veränderungen bei der räumlichen Verbreitung der Wiesenweihe in Westfalen. Während die Getreideanbaugebiete der fruchtbaren Börden stetig besiedelt wurden, sind die Brutvorkommen im Münsterland weitgehend erloschen. Der Rückzug geht einher mit dem Lebensraumverlust infolge der Kultivierung der Heide- und Moorgebiete und deren flächenmäßigen Rückgang. Bei den Getreidebruten wurden infolge der landwirtschaftlichen Intensivierung seit den 1960er Jahren vermehrt Brutverluste festgestellt, die durch die modernen Mähdrescher (?Erntetermine und -methoden) verursacht werden.
Seit Mitte der 1960er Jahre bemühen sich Ornithologen um den Schutz der gefährdeten Bruten in Getreidefeldern. Im Vertragsnaturschutz allgemein übliche Artenschutzmaßnahmen werden gezielt als Sicherung vor den Erntemaschinen gemeinsam mit den Landwirten durchgeführt. Von 1966-1999 kam es in Westfalen zu einer kontinuierlichen Bestandserholung von 4 (beobachteten?) auf rund 50 Brutpaare, insgesamt wurden 621 Brutpaare festgestellt. Mehr als 97 % der Paare brüteten in Getreidefeldern. Die Hellwegbörde besitzt seit den 1990er Jahren eines der bedeutensten und größten Brutvorkommen Deutschlands – teils mit kolonieartigen Ansiedlungsmustern. Lediglich in der Warburger Börde brütet regelmäßig nur ein Paar in einem Hochstauden-Binsen-Bestand.
8. Literatur
[AGF] ARBEITSGRUPPE FEUCHTWIESEN STEINFURT (1994-1999): Feuchtwiesenschutzprogramm im Kreis Steinfurt. Erfahrungsberichte 1994-1999.Unveröff. Mskrpt. Steinfurt.
ALPENS, K. (1952): Die Wiesenweihe ist die „Korn“-Weihe. Beitr. Naturk. Niedersachsens 5, 41-46.
BOLSMANN, H. (1852): Verzeichnis der im Münsterlande vorkommenden Vögel. Naumannia 2, 24-38.
CLARKE, R. (1996): The Montagu`s Harrier. Arlequin Press. Essex.
FRÖHLING, W. & W. PRÜNTE (1966): Brut der Wiesenweihe bei Unna. Anthus 3, 53-55.
GLIMM, D. & W. PRÜNTE (1984): Artenhilfsprogramm Wiesenweihe. Natursch. prak. 61. Recklinghausen.
GLUTZ VON BLOTZHEIM, U.N., K.M. BAUER & E. BEZZEL (1971): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Bd. 4. Frankfurt/M., 380-406.
GOETHE, F. (1948): Vogelwelt und Vogelleben im Teutoburgerwald-Gebiet. 84-85.
HANDKE, W. (1952a): Von der Tierwelt im Kreis Soest. Heimatkalender des Kr. Soest 25, 89-93.
HANDKE, W. (1952b): Von der Tierwelt des Kreises Soest. Ein Heimatbuch und Führer durch die Stadt und Börde. 5. Aufl. Soest.
HANDKE, W. (1956): Die Lebensräume unserer Vögel. Heimatkalender des Kr. Soest 29, 81-83.
HECKENROTH, H. & J.-U. HEINS (1989): Wiesenweihe (Circus pygargus). In: ZANG, H., H.
HÖLKER, M. (1997): Bestand, Verbreitung und Schutz der Wiesenweihe (Circus pygargus) in Nordrhein-Westfalen 1993 bis 1996. Jahresber. Monitoring Greifvögel Eulen Europas 9, 107-114.
KNEER (1925): Die Jagd im Kreise Lippstadt. Heimatbuch d. Kr. Lippstadt 1, 30-48.
KÖPKE, G., A. NAGEL & W. POTT (2000): Über die Vogelwelt der Stadt Hamm (Westf.) 1959- 1999. Stadt Hamm.
KOCH, R. (1878/79): Die Brutvögel des Münsterlandes. S.Z.S. 6, 58 – 73.
KOCH, R. (1880/81): Die Brutvögel des gebirgigen Teiles von Westfalen. S.Z.S. 8, 30 – 40.
KOCH, R. (1921/23): Veränderungen in der Ornis des Münsterlandes innerhalb der letzten 60 Jahre. S.Z.S. 50 – 52, 77 – 87.
KROGULEC, J. (1993): Status, population trends, breeding habitats and conservation problems of Montagu’s Harrier (Circus pygargus) in Poland. 29-30. In: CLEMENS, C. (Hrsg.): International Montagu’s Harrier (Circus pygargus) Conference. Kiel.
LAUDAGE, F.-J. (1995): Schutz von Wiesenweihe und Rohrweihe in der Warburger Börde. Unveröff. Mskrpt. Warburg.
LEIFELS, K.D. (1993): Renaturierungskonzepte für das geplante Naturschutzgebiet Osternheuland – In den Erlen. Diplomarbeit Universität- Gesamthochschule Paderborn, Abteilung Höxter, Fachbereich 7, 9ff.
LIPPE, C. von der (1920): Die Raubvögel Westfalens. B1. Naturschutz Heimatpfl. 6 (7/8), 22 – 24.
LOOFT, V. & G. BUSCHE (1981): Die Vögel Schleswig-Holsteins – Greifvögel. Wachholtz Verlag, Neumünster.
[NABU-Warendorf] NATURSCHUTZBUND DEUTSCLAND – KREISGRUPPE WARENDORF (1993-2000): Brutergebnisse der Rohrweihe und Wiesenweihe im Kreis Warendorf 1993-1999. Unveröff. Mskrpt. Wadersloh/Rinkerode.
NAUMANN
OAG DETMOLD (1977): Mitteilungen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Detmold 25, 7.
PEITZMEIER, J. (1938): Beiträge zur Ornis des Warburger Landes. II. Nat. u. Heimat 5, 10 ff.
PEITZMEIER, J. (1969a): Avifauna von Westfalen, 213 – 214.
PEITZMEIER, J. (1969b): Die Vogelwelt der westfälischen Getreidelandschaft. Bonn. Zool. Beitr. 20 (1/3), 151-163.
PEITZMEIER, J. (1979): Avifauna von Westfalen. 2. Aufl. Münster.
PETZOLD, H. (1970): Die Auswirkungen der Drainung auf den Vogelbestand eines Wiesengeländes. Dargestellt am Beispiel der Ahsewiesen bei Wiltrop (Kr. Soest). Unveröff. Examensarb. Päda. Hochsch. Ruhr. Dortmund.
PROBST, W. (1952): Noch eine Weihe. Heimatbuch des Kreises Lippstadt 3. 183-184.
RADE, E. & H. LANDOIS (1886): Die Vogelwelt Westfalens. In: LANDOIS, H.: Westfalens Tierleben in Wort und Bild. Bd. 2. Münster, 225-227.
REICHLING, H. (1915/16): Beiträge zur Vogelfauna des Münsterlandes. S.Z.S. 44, 154 – 168
REICHLING, H. (1932): Beiträge zur Ornis Westfalens und des Emslandes. Abh.Westf. Prov. Mus. Naturkde. 3, 307-362.
SCHMIDT, H. (1907/08): Kleiner Beitrag zur Westfälischen Vogelfauna. S.Z.S. 36, 74-76.
SCHOENNAGEL (1968): Wiesenweihe brütete im Kreis Minden. Anthus 5, 33.
STICHMANN, W. (1966): In der Oberbörde fühlen sich die Steppentiere wohl. Heimatkalender Kreis Soest.
WEBER, H. (1938): Am Horst der Wiesenweihe. Nat. u. Heimat 5, 83-85.
WEMER, P. (1905/1906): Beiträge zur westfälischen Vogelfauna. S.Z.S. 34, Jber. Zoolog. Sekt. Westf. Prov.-Ver. Wiss. Kunst, 58-89.
WOLFF, G. (1952): Die Lippische Vogelwelt im Wandel der Jahre. Mitt. Lipp. Gesch. Landeskde. 21, 201-288.
WÜST, W. (1979): Avifauna Bavariae. Die Vogelwelt Bayerns im Wandel der Zeit. Bd. I., Altötting.
Autoren:
D. G., Am Sötling 8, 59556 Lippstadt-Hellinghausen
M. H., Biologische Station Soest, Teichstr. 17, 59505 Bad Sassendorf-Lohne
W. P., Westfeld 77, 58730 Fröndenberg
Abbildungen
Fotos
Brilliante Farbfotos
Porträt Männchen (sitzend)
Porträt Weibchen (sitzend)
Jagdflug Männchen
Flugaufnahme Männchen
Flugaufnahme Weibchen
Nestlinge klein (evtl. mit Horstumfeld)
Nestlinge groß (evtl. mit Horstumfeld)
Mähdrescher + Landwirt
Freigemähte Schutzzone
Ackerbaugebiet Börde – Lebensraum Brutgebiet (Ansiedlungsphase, Äußeres Erscheinungsbild) – Lebensraum Jagdgebiet
[1] Börde = fruchtbare Ebene; Löß = In der Nacheiszeit durch den Wind abgelagerter, feinsandiger, lehmiger Schluff mit max. 10-15 % CaCO³
[2] Feldmaus-Gradationen wurden auch im 19. Jh. aus westfälischen Landschaften, vorzugsweise aus den Kultursteppen der Börden und des Sintfelds (Paderborner Hochfläche) gemeldet (ALTUM 1867).