{"id":406,"date":"2015-04-13T10:15:46","date_gmt":"2015-04-13T10:15:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anthus.de\/?page_id=406"},"modified":"2017-07-28T10:38:51","modified_gmt":"2017-07-28T10:38:51","slug":"eichelhaher","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.anthus.de\/?page_id=406","title":{"rendered":"Eichelh\u00e4her"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eichelh\u00e4her: Unver\u00f6ffentlichtes und verworfenes Manuskript vom 28.08.1997 zum Einflug des Eichelh\u00e4hers 1996 in Westfalen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der auff\u00e4llige Einflug des Eichelh\u00e4hers (Garrulus glandarius) im Sp\u00e4tsommer 1996<\/strong><\/p>\n<p><em>von Werner und Falko Pr\u00fcnte<\/em><\/p>\n<p>Zusammenfassung<br \/>\nZwischen dem 26.8. und dem 26.9.1996 konnte in Fr\u00f6ndenberg, Kreis Unna, bei t\u00e4glichen morgendlichen Kontrollen ein auff\u00e4lliger und jahreszeitlich au\u00dfergew\u00f6hnlich fr\u00fch verlaufender Einflug des Eichelh\u00e4hers mit 2992 \u00fcberziehenden Exemplaren, davon 2820 in s\u00fcdwestliche Richtungen fliegende Individuen registriert werden.<\/p>\n<p>Summary<br \/>\n<em>The conspicuous irruption of Jay (Garrulus glandarius) in late summer 1996<\/em><br \/>\n<em> Between the 26.8. and 26.9.1996 in Fr\u00f6ndenberg (District Unna, Northrhine-Westfalia) there was a conspicuous and early in the time of the year passed irruption of Jay, with 2992 migrating individuals, 2820 of it flow in south-westly directions.<\/em><\/p>\n<p>Von Ende August 1996 bis zum letzten Septemberdrittel 1996 registrierten wir in Fr\u00f6ndenberg-Ardey (Kreis Unna, Nordrhein-Westfalen) einen auff\u00e4lligen Einflug des Eichelh\u00e4hers (<em>Garrulus glandarius<\/em>). Wir hatten w\u00e4hrend eines Kleinvogelberingungsprogramms von Anfang August bis Ende Oktober die Gelegenheit, die Zugbewegungen des Eichelh\u00e4hers t\u00e4glich in der Zeit von 6.00 Uhr bis 11.15 Uhr zu verfolgen. Der Beobachtungsort liegt am leicht s\u00fcdlich exponierten Haarstrangabfall umgeben von Ackerfl\u00e4chen und kleineren Feldgeh\u00f6lzen und weist eine Rundumsicht von ca. 2 km auf.<\/p>\n<p>Schon Mitte August fielen uns die geh\u00e4uften Flugbewegungen der Eichelh\u00e4her auf, deren Flugbahnen sich aber zu diesem Zeitpunkt noch keiner Vorzugsrichtung zuordnen lie\u00df, und von uns der \u201enormalen\u201c Dispersionsbewegung der Art zugerechnet wurden. Erst am 26. August beobachteten wir gegen 7.40 Uhr 3 sehr hoch und zielstrebig nach WSW durchziehende Eichelh\u00e4her, die uns zur weiteren Z\u00e4hlung der durchfliegenden H\u00e4her motivierten. Futtertragende und \u201eRevierverhalten\u201c aufweisende H\u00e4her wurden von uns im Rahmen dieser Z\u00e4hlung nicht ber\u00fccksichtigt. Ab dem 1. September stiegen dann die Zahlen der beobachteten Exemplare fast t\u00e4glich an (vgl. Abb. 1). Bis zum 26.September registrierten wir insgesamt 2992 \u00fcberfliegende Eichelh\u00e4her, davon zogen 2820 (94 % aller Individuen, 83 % aller Trupps) in westliche bis s\u00fcdliche Richtungen. Bis zum 16. September konnten wir ausschlie\u00dflich westliche bis s\u00fcdliche Flugrichtungen beobachten, bis zum 18. September \u00fcberwogen diese noch deutlich. Erst nach diesem Datum kehrte sich die Richtungsverteilung zugunsten von \u00f6stlichen bis n\u00f6rdlichen Richtungen um. Nach dem 26. September waren keine auff\u00e4lligen Zugbewegungen &#8211; weder westlich-s\u00fcdliche noch \u00f6stlich-n\u00f6rdliche &#8211; mehr zu beobachten.<\/p>\n<p>Zugh\u00f6hepunkte konnten wir am 9. und am 15. September mit 700 und 730 morgendlich ziehenden Exemplaren feststellen. Hoch durchziehende Trupps blieben die Ausnahme. Die weitaus \u00fcberwiegende Zahl der registrierten H\u00e4her flog in arttypischer Weise in geringer Flugh\u00f6he und unter Ausnutzung deckender Geh\u00f6lzstrukturen (vgl. GATTER 1974, GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. 1993). Wurden von den H\u00e4hern vermeintliche Gefahren &#8211; Greife, Schu\u00dfger\u00e4usche etc. &#8211; wahrgenommen, fielen die Trupps sofort in das n\u00e4chstgelegene Geh\u00f6lz ein oder wichen doch in weitem Bogen aus.<\/p>\n<p>Als mittlere Truppgr\u00f6\u00dfe aller beobachteten 294 Trupps ergibt sich ein Wert von 10 Individuen (+ 13), die 243 in westliche bis s\u00fcdliche Richtungen \u00fcberfliegenden Trupps z\u00e4hlten im Mittel 12 Individuen (+ 14). Der gr\u00f6\u00dfte beobachtete Trupp bestand aus 102 wests\u00fcdwestlich ziehenden H\u00e4hern. W\u00e4hrend der Hochphase des Einfluges war allerdings eine exakte Abgrenzung der unabl\u00e4ssig durchziehenden Eichelh\u00e4hertrupps kaum m\u00f6glich. Es wurden nur artreine Trupps festgestellt. Die einzelnen Tagesmittelwerte der Truppgr\u00f6\u00dfe steigen bis zum Invasionsh\u00f6hepunkt relativ kontinuierlich an und fallen zum Ende der Invasion wieder deutlich ab, was den Beobachtungen von GATTER (1974) w\u00e4hrend der Eichelh\u00e4herinvasion 1972\/73 in Baden-W\u00fcrttemberg entspricht.<\/p>\n<p>Vor 7.30 Uhr MESZ, das entspricht etwa 1 \u00bc &#8211; \u00bd h nach Sonnenaufgang &#8211; konnten von uns im kontrollierten Zeitraum keine wandernden H\u00e4her beobachtet werden. W\u00e4hrend der Hochphase des Einfluges zogen Eichelh\u00e4her allerdings ab dieser Uhrzeit den gesamten Tag \u00fcber, also weit \u00fcber unseren tageszeitlichen Z\u00e4hlzeitraum hinaus, so da\u00df erheblich h\u00f6here Tagesmaxima zustande gekommen sein d\u00fcrften.<br \/>\nBei Regen und Nebel bzw. Fr\u00fchdunst fand kein Zug statt (vgl. a. GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. 1993).<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1997 konnte wir am Haarstrangabfall keinen auffallenden Heimzug des Eichelh\u00e4hers beobachten &#8211; allerdings wurden von uns auch keine Planbeobachtungen durchgef\u00fchrt. Einzelne h\u00f6her \u00fcberziehende Trupps stellten wir von Anfang bis Ende Mai 1997 &#8211; so beispielsweise &#8211; fest, ohne da\u00df sich ein auch nur ann\u00e4hernd dem Wegzug 1996 vergleichbares Zuggeschehen entwickelt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu den in der Literatur beschriebenen Eichelh\u00e4her-Invasionen f\u00e4llt der au\u00dfergew\u00f6hnlich fr\u00fche Verlauf des Einfluges 1996 auf. W\u00e4hrend die Invasionen fr\u00fcherer Jahre \u00fcberwiegend in der letzten September-Dekade begannen oder doch erst zu diesem Zeitpunkt ihrem H\u00f6hepunkt zustrebten (vgl. ZINK 1981, BEZZEL 1993, GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. 1993) war der Einflug 1996 unserer Beobachtung nach zu diesem Zeitpunkt bereits beendet. Dies ist um so bemerkenswerter, als da\u00df GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. (1993: 1398) dem Eichelh\u00e4her die \u201e(im Gegensatz zu anderen Irruptionsv\u00f6geln) Einhaltung ph\u00e4nologisch fixierter Zugzeiten\u201c als typisches Zugvogel-Grundmuster der Art zuschreiben. Inwieweit unsere Feststellung nur f\u00fcr ein lokal \u00e4u\u00dferst begrenztes Gebiet gilt bzw. den r\u00e4umlich begrenzten Charakter des von uns beobachteten Einflugschubes kennzeichnet, bleibt unklar. In Baden-W\u00fcrttemberg konnte C. Wegst (in BARTHEL 1996) in der Wagbachniederung am 15.9.1996 innerhalb von 3 Stunden 1179 s\u00fcdwest ziehende Individuen ausz\u00e4hlen, ein Hinweis auf eine \u00e4hnliche fr\u00fche Kulmination des Zuges in S\u00fcdwestdeutschland. A. Randler (in BARTHEL 1996) konnte jedoch noch am 29.9.1996 &#8211; etwa zehn Tage nach dem Ende des Einfluggeschehens in Westfalen &#8211; 399 Eichelh\u00e4her (Lotterberg, Baden-W\u00fcrttemberg) feststellen.<\/p>\n<p>Parallelen zum bisher gezeichneten Bild der Eichelh\u00e4her-Einfl\u00fcge (vgl. ZINK 1981, BEZZEL 1993, GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. 1993) ergeben sich in der auf einen relativ kurzen Zeitraum zusammengedr\u00e4ngten Durchzugszeit und in der bevorzugten s\u00fcdwestlichen Vorzugsrichtung der wandernden Trupps.<br \/>\nGATTER (1974) beschreibt das Auftreten mehrerer, auch in der Zugrichtung unterscheidbarer Zugwellen im Verlauf von der 1972 am Randecker Maar beobachteten Eichelh\u00e4her-Invasion. Derartige, abgrenzbare Wellen waren 1996 im mittleren Westfalen nicht zu beobachten. Die in der Abb. 1 angedeutete Zweigipfligkeit des Einfluges h\u00e4ngt unseres Erachtens eindeutig mit einer zughemmenden, kurzen Schlechtwetterperiode mit starken Regenf\u00e4llen im Zeitraum vom 12. bis 14.9.1996 zusammen. Die in der Folge auftretende Maximalzahl wandernder Eichelh\u00e4her mit konstant bleibender Vorzugsrichtung ist unseres Erachtens als wetterabh\u00e4ngiger Schub infolge eines befristeten Zugstaus zu interpretieren (vgl. a. GATTER 1974).<\/p>\n<p><em>Herrn Harald Maas, Fr\u00f6ndenberg sei f\u00fcr die zeitweise Unterst\u00fctzung bei der Z\u00e4hlung der Eichelh\u00e4her gedankt.<\/em><\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><br \/>\nBARTHEL, H.P., 1996: Bemerkenswerte Beobachtungen. Wegzug 1996. Limicola. 10. H. 6: 322-337.<br \/>\nBEZZEL, E., 1993: Kompendium der V\u00f6gel Mitteleuropas. Bd. II Passeres. Wiesbaden.<br \/>\nGATTER; W., 1974: Analyse einer Invasion des Eichelh\u00e4hers (Garrulus glandarius) 1972\/73 am Randecker Maar (Schw\u00e4bische Alb). Vogelwarte. 27:278-289.<br \/>\nGLUTZ VON BLOTZHEIM, U. et al., 1993: Handbuch der V\u00f6gel Mitteleuropas. Bd. 13 Passeriformes IV (Muscicapidae &#8211; Sturnidae). Wiesbaden.<br \/>\nZINK, G., 1981: Der Zug europ\u00e4ischer Singv\u00f6gel. Ein Atlas der Wiederfunde beringter V\u00f6gel. 3. Lieferung 1981. M\u00f6ggingen.<\/p>\n<p>Werner Pr\u00fcnte<br \/>\nWestfeld 77<br \/>\n58730 Fr\u00f6ndenberg<\/p>\n<p>Falko Pr\u00fcnte<br \/>\nEllerhooksweg 7<br \/>\n49536 Lienen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eichelh\u00e4her: Unver\u00f6ffentlichtes, nicht abgeschlossenes Manuskript vom 13.01.2000 zum Einflug des Eichelh\u00e4hers 1996 und 1999 in Westfalen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der massierte Zug des Eichelh\u00e4hers (Garrulus glandarius) im Sp\u00e4tsommer 1996 im Vergleich zu fr\u00fcheren westf\u00e4lischen Eichelh\u00e4her-Massenzugjahren<\/strong><\/p>\n<p><em>von Werner und Falko Pr\u00fcnte<\/em><\/p>\n<p><em>1. Eichelh\u00e4her als unregelm\u00e4\u00dfiger Zugvogel<\/em><\/p>\n<p>Standvogel und Teilzieher, auch Wanderungen vom Evasionstyp, Wintergebiet aber innerhalb des Artareals (BAUER, H. G., BERTHOLD, P., 1996: Die Brutv\u00f6gel Mitteleuropas. Bestand und Gef\u00e4hrdung. Wiesbaden. 715 S., BEZZEL Kompendium)<\/p>\n<p><em>ZINK: Unregelm\u00e4\u00dfiges Zugverhalten des Eichelh\u00e4hers in Mittel- und Nordeuropa, Jahre ohne oder nur mit geringem Zug, invasionsartige Wanderungen<br \/>\nDurchzug dr\u00e4ngt sich auf wenige Tage (meist weniger als 14) zusammen, (&#8222;wie das bei Invasionsv\u00f6geln h\u00e4ufig, bei &#8222;normalen&#8220; Zugv\u00f6geln aber selten ist&#8220;), alle Invasionen in den 60er Jahren im Raum der Kurischen Nehrung Ende September (24.9.61 fr\u00fchestes Datum) bis Ende erste Oktober Dekade\/Mitte Oktober, Herkunftsraum fast ausschlie\u00dflich aus dem polnisch, baltisch wei\u00dfrussischen, russischen Bereich, skandinavische Populationen ziehen wohl nicht bzw. kaum \u00fcber See, typischer Verlauf der Invasionen in mehreren Wellen, die unterschiedlich weit tragen vgl. Berndt u. Dancker 1960,<br \/>\nStarker Zug auf der Kurischen Nehrung meist in der Zeit zwischen Mitte September und Mitte Oktober, H\u00f6hepunkte der 19955er Invasion in Falsterbo 2.- 19.10.55<br \/>\nHeimzug meist unerwartet sp\u00e4t E4 &#8211; E5 in Rossitten, Rheinland\/Niederlande bis Anfang 6, N-Deutschland bis M6,<\/em><\/p>\n<p><em>Blotzheim<br \/>\nEichelh\u00e4her Stand- bis Strichvogel, Teilzieher, der in jahrweise stark wechselnder Zahl zieht und der in manchen Jahren evasive Zugbewegungen mit z.T. spektakul\u00e4rem Ausma\u00df unternimmt, SW bis S bevorzugte Zugrichtungen<br \/>\nEvasionen oft aus voneinander unabh\u00e4ngigen regionalen Bewegungen bestehend (auch BEZZEL)<br \/>\n1964 Gdansk in jeweils 4 Morgenstunden 35.000 durchziehende H\u00e4her im Verlauf der Invasion vom 19.9 bis 17.10.64<br \/>\nPh\u00e4nologie: Zug Kurische Nehrung Zugbeginn sowohl bei normalem als auch bei Evasionen beginnt zu Beginn der 2. September-Dekade, ausnahmsweise schon Anfang September oder in den letzten Augusttagen, H\u00f6hepunkt zwischen Mitte und Ende September, Ende gegen Mitte Oktober<br \/>\nRandecker Maar\/Schw\u00e4bische Alb und Bodensee: Beginn der Evasionen in der letzten Augustpentade bzw. Anfang September, H\u00f6hepunkt zwischen Mitte und September und Mitte Oktober bzw. in der ersten beiden Oktoberpentaden, Ende gegen Ende Oktober \/ Anfang November.<\/em><\/p>\n<p><em>SCH\u00dcZ: Eichelh\u00e4her bei den pflanzenfressenden Invasionsv\u00f6geln genannt<\/em><\/p>\n<p><em>BEZZEL: s. oben und: Herbstzug meist Anfang Sept. bis Anf. Nov. mit j\u00e4hrlich unterschiedlichen H\u00f6hepunkten!<\/em><\/p>\n<p>Der Eichelh\u00e4her gilt in unseren Breiten als Zugvogel mit einem jahrweise sehr unterschiedlich ausfallendem Zugverhalten. Im Abstand von einigen Jahren kommt es bei dieser Art immer wieder zu besonders auffallenden massiven Zugbewegungen mit zu beobachtenden hohen Individuenzahlen. Sowohl 1991, 1996 als auch 1999 waren Jahre mit einer solchen Zugmassierung in Westfalen (vgl. a. PREISS in KRETZSCHMAR et al. 1997a, J\u00d6BGES, KRETZSCHMAR, NOWAKOWSKI, WEN? in KRETZSCHMAR &amp; GLINKA 1997b).<br \/>\nF\u00fcr 1999 liegen uns leider nur wenige, unsystematisch erhobene Einzelbeobachtungen des Eichelh\u00e4her-Zuggeschehens vor. Dagegen k\u00f6nnen wir f\u00fcr das Jahr 1996 auf eine l\u00fcckenlose Erfassung des Eichelh\u00e4herzuges zur\u00fcckgreifen, die in der Zusammenschau mit den wenigen Daten aus 1999 einen Einblick in das derzeitige Zugverhalten der Art in unserem Raum erlaubt.<br \/>\nVon Ende August 1996 bis zum letzten Septemberdrittel 1996 registrierten wir in Fr\u00f6ndenberg-Ardey (Kreis Unna, Nordrhein-Westfalen, BRD, 7\u00b0 43\u2018 52\u2018\u2018 O, 51\u00b0 29\u2018 27\u2018\u2018 N) einen auff\u00e4lligen Einflug des Eichelh\u00e4hers (Garrulus glandarius). Wir hatten w\u00e4hrend eines Kleinvogelberingungsprogramms von Anfang August bis Mitte Oktober die Gelegenheit, die Zugbewegungen des Eichelh\u00e4hers t\u00e4glich in der Zeit von 6.00 Uhr bis 11.15 Uhr zu verfolgen. Der Beobachtungsort liegt am leicht s\u00fcdlich exponierten Haarstrangabfall umgeben von Ackerfl\u00e4chen und kleineren Feldgeh\u00f6lzen und weist eine Rundumsicht mit einem Radius von ca. 0,5 &#8211; 1 km auf.<br \/>\nSchon Mitte August fielen uns die geh\u00e4uften Flugbewegungen der Eichelh\u00e4her auf, deren Flugbahnen sich aber zu diesem Zeitpunkt noch keiner Vorzugsrichtung zuordnen lie\u00df, und von uns der \u201enormalen\u201c Dispersionsbewegung der Art zugerechnet wurden. Erst am 26. August beobachteten wir gegen 7.40 Uhr 3 sehr hoch und zielstrebig nach WSW durchziehende Eichelh\u00e4her, die uns zur weiteren genauen Z\u00e4hlung der durchfliegenden H\u00e4her motivierten. Futtertragende und \u201eRevierverhalten\u201c aufweisende H\u00e4her wurden von uns im Rahmen dieser Z\u00e4hlung nicht ber\u00fccksichtigt. Ab dem 1. September stiegen dann die Zahlen der beobachteten Exemplare fast t\u00e4glich an (vgl. Abb. 1).<\/p>\n<p>Bis zum 26.September registrierten wir insgesamt 2992 \u00fcberfliegende Eichelh\u00e4her, davon zogen 2814 (94 % aller Individuen, 85,3 % aller Trupps) in westliche bis s\u00fcdliche Richtungen, 178 in \u00f6stliche bis n\u00f6rdliche Richtungen (entsprechend 6 % aller Individuen, 14,7 % aller Trupps). Bis zum 16. September konnten wir ausschlie\u00dflich westliche bis s\u00fcdliche Flugrichtungen beobachten, bis zum 18. September \u00fcberwogen diese noch deutlich. Erst nach diesem Datum kehrte sich die Richtungsverteilung zugunsten von \u00f6stlichen bis n\u00f6rdlichen Richtungen um. Nach dem 26. September waren keine auff\u00e4lligen Zugbewegungen &#8211; weder westlich-s\u00fcdliche noch \u00f6stlich-n\u00f6rdliche &#8211; mehr zu beobachten.<br \/>\nZugh\u00f6hepunkte konnten wir am 9. und am 15. September mit 700 und 730 morgendlich ziehenden Exemplaren feststellen. Hoch durchziehende Trupps blieben die Ausnahme. Die weitaus \u00fcberwiegende Zahl der registrierten H\u00e4her flog in arttypischer Weise in geringer Flugh\u00f6he und unter Ausnutzung deckender Geh\u00f6lzstrukturen (vgl. GATTER 1974, GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. 1993). Wurden von den H\u00e4hern vermeintliche Gefahren &#8211; Greife, Schu\u00dfger\u00e4usche etc. &#8211; wahrgenommen, fielen die Trupps sofort in das n\u00e4chstgelegene Geh\u00f6lz ein oder wichen doch in weitem Bogen aus.<br \/>\nAls mittlere Truppgr\u00f6\u00dfe aller beobachteten 294 Trupps ergibt sich ein Wert von 10,2 Individuen (+ 13,4), die 243 in westliche bis s\u00fcdliche Richtungen \u00fcberfliegenden Trupps z\u00e4hlten im Mittel 11,6 Individuen (+ 14,2). Die zum Ende des Einfluges \u00f6stlich bis n\u00f6rdlich fliegenden Gruppen wiesen im Durchschnitt 4,2 (+ 3,5) H\u00e4her auf. Der gr\u00f6\u00dfte beobachtete Trupp der wests\u00fcdwestlich ziehenden H\u00e4her bestand aus 102 Exemplaren am 9.9.1996, w\u00e4hrend die in Gegenrichtung fliegenden Eichelh\u00e4her in Trupps mit maximal 15 Tieren (19.9.1996) unterwegs war. W\u00e4hrend der Hochphase des Einfluges war allerdings eine exakte Abgrenzung der unabl\u00e4ssig durchziehenden Eichelh\u00e4hertrupps kaum m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Es wurden nur artreine Trupps festgestellt. Die einzelnen Tagesmittelwerte der Truppgr\u00f6\u00dfe steigen bis zum Invasionsh\u00f6hepunkt relativ kontinuierlich an und fallen zum Ende der Invasion wieder deutlich ab, was den Beobachtungen von GATTER (1974) w\u00e4hrend der \u201eEichelh\u00e4herinvasion\u201c 1972\/73 in Baden-W\u00fcrttemberg entspricht.<br \/>\nVor 7.30 Uhr MESZ, das entspricht etwa 1 &#8211; 1\u00bc h nach Sonnenaufgang &#8211; konnten von uns im kontrollierten Zeitraum keine wandernden H\u00e4her beobachtet werden. W\u00e4hrend der Hochphase des Einfluges zogen Eichelh\u00e4her allerdings ab dieser Uhrzeit den gesamten Tag \u00fcber, also weit \u00fcber unseren tageszeitlichen Z\u00e4hlzeitraum hinaus, so da\u00df erheblich h\u00f6here Tagesmaxima zustande gekommen sein d\u00fcrften.<br \/>\nBei Regen und Nebel bzw. Fr\u00fchdunst fand \u2013 soweit dies f\u00fcr uns dann feststellbar war &#8211; kein Zug statt (vgl. a. GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. 1993).<br \/>\nIm Fr\u00fchjahr 1997 konnte wir am Haarstrangabfall keinen auffallenden Heimzug des Eichelh\u00e4hers beobachten &#8211; allerdings wurden von uns auch keine Planbeobachtungen durchgef\u00fchrt. Einzelne h\u00f6her \u00fcberziehende Trupps stellten wir von Anfang bis Ende Mai 1997 &#8211; so beispielsweise am 12.5. zwischen 10 \u2013 13.00 Uhr insgesamt 8 Exemplare nach Osten ziehend , am 13.5. um ca. 8.00 Uhr insgesamt 7 Exemplare nach Nordost ziehend, am 18.5. ca. 7.00 Uhr insgesamt 9 Exemplare nach Nordost ziehend, am 25.5.1997 2 und 3 H\u00e4her zwischen 12.00 und 13.00 Uhr nach Nordwest ziehend &#8211; fest, ohne da\u00df sich ein auch nur ann\u00e4hernd dem Wegzug 1996 vergleichbares Zuggeschehen entwickelt h\u00e4tte.<br \/>\nF\u00fcr 1999 k\u00f6nnen wir nur einige Eckdaten und unsystematisch erhobene Beobachtungen zum Eichelh\u00e4herzuggeschehen des Jahres aufzeigen. Beobachtung des Zuges von Mitte August bis Ende September 1999, Zugz\u00e4hlungen am 9.9. (Fr\u00f6ndenberg), 12.9., 13.9., 17.9., 20.9. 27.9 (alle Lienen, Kreis Steinfurt, NRW, BRD, 7\u00b0 56&#8242; 21&#8220; O, 52\u00b0 09&#8242; 31&#8220; N), 30.9.99 (Fr\u00f6ndenberg), gez\u00e4hlt wurden i.d.R. ganze Stundenabschnitte.<br \/>\nBeginn des Einfluggeschehen im n\u00f6rdlichen und mittleren Westfalen etwa wieder im letzten August-\/ersten Septemberdrittel nach vorausgehenden geh\u00e4uften kleinr\u00e4umigen Flugbewegungen der Eichelh\u00e4her, Zugmaximum offensichtlich in der zweiten Septemberdekade, Ende September 1999 flaut der Zug allm\u00e4hlich ab. Vergleicht man die ebenfalls unsystematisch erhobenen Eichelh\u00e4her-Daten in den im Internet publizierten Mailing-Listen, so sind auch dort nach Mitte Oktober f\u00fcr unseren Raum fast keine Eichelh\u00e4herzug-Daten ver\u00f6ffentlicht worden. Allerdings weisen verschiedene im Internet ver\u00f6ffentlichte Mails darauf hin, da\u00df gegen Ende September Anfang Oktober sowohl im Skandinavisch-Baltischen Raum als auch in S\u00fcddeutschland gr\u00f6\u00dfere Zugwellen beobachtet werden konnten, die aber offensichtlich Westfalen nicht mehr oder nicht mehr in voller St\u00e4rke ber\u00fchrt haben.<br \/>\nDie durchschnittliche Truppgr\u00f6\u00dfe der in westliche bis s\u00fcdliche Richtungen ziehenden H\u00e4her betrug 1999 6,8 Exemplare (+ 6,9, n=99), der gr\u00f6\u00dfte Trupp wies 36 Exemplare auf (17.9.99), insgesamt wurden 673 ziehende H\u00e4her gez\u00e4hlt. Das gez\u00e4hlte Stundenmaximum von 209 Exemplaren am 13.9.99 belegt, da\u00df die Jahre 1999 und 1996 in der Quantit\u00e4t und in der Lage des massierten Eichelh\u00e4herzug durchaus vergleichbar sind. Ebenso wie 1996 steigen die durchschnittlichen Truppgr\u00f6\u00dfen 1999 bis zur Septembermitte zun\u00e4chst an, um in der letzten Dekade dieses Monats wieder deutlich zur\u00fcckzugehen.<\/p>\n<p><em>Westf\u00e4lische Avifauna mit erheblich sp\u00e4teren Daten der Einfl\u00fcge (ca. 2 &#8211; 4 Wochen sp\u00e4ter)<\/em><\/p>\n<p>Im Vergleich zu den in der Literatur beschriebenen Eichelh\u00e4her-Invasionen f\u00e4llt der au\u00dfergew\u00f6hnlich fr\u00fche Verlauf des Einfluges 1996 auf. W\u00e4hrend die Invasionen fr\u00fcherer Jahre \u00fcberwiegend in der letzten September-Dekade begannen oder doch erst zu diesem Zeitpunkt ihrem H\u00f6hepunkt zustrebten (vgl. ZINK 1981, BEZZEL 1993, GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. 1993) war der Einflug 1996 unserer Beobachtung nach zu diesem Zeitpunkt bereits beendet. Dies ist um so bemerkenswerter, als da\u00df GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. (1993: 1398) dem Eichelh\u00e4her die \u201e(im Gegensatz zu anderen Irruptionsv\u00f6geln) Einhaltung ph\u00e4nologisch fixierter Zugzeiten\u201c als typisches Zugvogel-Grundmuster der Art zuschreiben. Inwieweit unsere Feststellung nur f\u00fcr ein lokal \u00e4u\u00dferst begrenztes Gebiet gilt bzw. den r\u00e4umlich begrenzten Charakter des von uns beobachteten Einflugschubes kennzeichnet, bleibt unklar. In Baden-W\u00fcrttemberg konnte C. Wegst (in BARTHEL 1996) in der Wagbachniederung am 15.9.1996 innerhalb von 3 Stunden 1179 s\u00fcdwest ziehende Individuen ausz\u00e4hlen, ein Hinweis auf eine \u00e4hnliche fr\u00fche Kulmination des Zuges in S\u00fcdwestdeutschland. A. Randler (in BARTHEL 1996) konnte jedoch noch am 29.9.1996 &#8211; etwa zehn Tage nach dem Ende des Einfluggeschehens in Westfalen &#8211; 399 Eichelh\u00e4her (Lotterberg, Baden-W\u00fcrttemberg) feststellen.<\/p>\n<p><em>Vergleich zu den Invasionen aus den 60er Jahren, ggf. der Schlu\u00df, das Mitteleurop\u00e4ische Populationen soweit angewachsen sind, das sich Invasionen auch aus diesem Raum heraus bemerkbar machen.<\/em><\/p>\n<p>Parallelen zum bisher gezeichneten Bild der Eichelh\u00e4her-Einfl\u00fcge (vgl. ZINK 1981, BEZZEL 1993, GLUTZ VON BLOTZHEIM et al. 1993) ergeben sich in der auf einen relativ kurzen Zeitraum zusammengedr\u00e4ngten Durchzugszeit und in der bevorzugten s\u00fcdwestlichen Vorzugsrichtung der wandernden Trupps.<br \/>\nGATTER (1974) beschreibt das Auftreten mehrerer, auch in der Zugrichtung unterscheidbarer Zugwellen im Verlauf von der 1972 am Randecker Maar beobachteten Eichelh\u00e4her-Invasion. Derartige, abgrenzbare Wellen waren 1996 im mittleren Westfalen nicht zu beobachten. Die in der Abb. 1 angedeutete Zweigipfligkeit des Einfluges h\u00e4ngt unseres Erachtens eindeutig mit einer zughemmenden, kurzen Schlechtwetterperiode mit starken Regenf\u00e4llen im Zeitraum vom 12. bis 14.9.1996 zusammen. Die in der Folge auftretende Maximalzahl wandernder Eichelh\u00e4her mit konstant bleibender Vorzugsrichtung ist unseres Erachtens als wetterabh\u00e4ngiger Schub infolge eines befristeten Zugstaus zu interpretieren (vgl. a. GATTER 1974).<\/p>\n<p><em>Herrn Harald Maas, Fr\u00f6ndenberg sei f\u00fcr die zeitweise Unterst\u00fctzung bei der Z\u00e4hlung der Eichelh\u00e4her gedankt.<\/em><\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><br \/>\nBARTHEL, H.P., 1996: Bemerkenswerte Beobachtungen. Wegzug 1996. Limicola. 10. H. 6: 322-337.<br \/>\nBEZZEL, E., 1993: Kompendium der V\u00f6gel Mitteleuropas. Bd. II Passeres. Wiesbaden.<br \/>\nGATTER; W., 1974: Analyse einer Invasion des Eichelh\u00e4hers (Garrulus glandarius) 1972\/73 am Randecker Maar (Schw\u00e4bische Alb). Vogelwarte. 27:278-289.<br \/>\nGLUTZ VON BLOTZHEIM, U. et al., 1993: Handbuch der V\u00f6gel Mitteleuropas. Bd. 13 Passeriformes IV (Muscicapidae &#8211; Sturnidae). Wiesbaden.<br \/>\nKRETZSCHMAR, E., GLINKA, S., GLINKA, A., 1997a: 1. Ornithologischer Sammelbericht f\u00fcr Nordrhein-Westfalen. Charadrius. 33: 41-50.<br \/>\nKRETZSCHMAR, E., GLINKA, S., 1997b: 2. Ornithologischer Sammelbericht f\u00fcr Nordrhein-Westfalen. Charadrius. 33: 140-150.<br \/>\nZINK, G., 1981: Der Zug europ\u00e4ischer Singv\u00f6gel. Ein Atlas der Wiederfunde beringter V\u00f6gel. 3. Lieferung 1981. M\u00f6ggingen.<\/p>\n<p>Werner Pr\u00fcnte<br \/>\nWestfeld 77<br \/>\n58730 Fr\u00f6ndenberg<\/p>\n<p>Falko Pr\u00fcnte<br \/>\nEllerhooksweg 7<br \/>\n49536 Lienen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eichelh\u00e4her: Unver\u00f6ffentlichtes und verworfenes Manuskript vom 28.08.1997 zum Einflug des Eichelh\u00e4hers 1996 in Westfalen Der auff\u00e4llige Einflug des Eichelh\u00e4hers (Garrulus glandarius) im Sp\u00e4tsommer 1996 von Werner und Falko Pr\u00fcnte Zusammenfassung Zwischen dem 26.8. und dem 26.9.1996 konnte in Fr\u00f6ndenberg, Kreis Unna, bei t\u00e4glichen morgendlichen Kontrollen ein auff\u00e4lliger und jahreszeitlich au\u00dfergew\u00f6hnlich fr\u00fch verlaufender Einflug des Eichelh\u00e4hers [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":383,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-406","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.anthus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/406","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.anthus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.anthus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.anthus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.anthus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=406"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/www.anthus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/406\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":626,"href":"http:\/\/www.anthus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/406\/revisions\/626"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.anthus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/383"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.anthus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=406"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}